Grenadine-Krawatte: alle empfehlen sie, keiner trägt sie
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Wer sich seine erste gute Krawatte kaufen will, bekommt seit gut zehn Jahren dieselbe Antwort: eine Grenadine, in Navy. Sie steht in jeder Essentials-Liste, sie steht in jeder Capsule und sie steht dort immer an derselben Stelle. Put This On hat den Konsens 2014 in einem Satz zusammengefasst und das erste Wort ist schon das Eingeständnis:
"As conventional wisdom goes, grenadines are some of the most useful ties you can own."
Nur ist mir dabei etwas aufgefallen, das ich seitdem nicht mehr loswerde. Ich sehe sie nicht. Nicht im Alltag, nicht bei Leuten, die sich auskennen, nicht einmal auf der Pitti, wo eigentlich jeder alles trägt. Und ich wüsste in Köln keinen einzigen Laden, in den ich gehen und heute eine kaufen könnte. Köln ist eine der größten Städte Deutschlands.
Das letzte Mal, dass ich eine an einem fremden Hals gesehen habe, war bei Julius. Der hat allerdings ein Sample von meinen Krawatten. Mein N gleich eins zählt also nicht, ich habe sie da selbst hingepusht.
Das ist eine seltsame Lage für ein Stück, das seit Jahren die erste Empfehlung ist. Ich glaube inzwischen, dass die Empfehlung stimmt und trotzdem schlecht ist, weil sie die Grenadine für den falschen Job verkauft. Welcher der richtige ist, dauert ein paar Absätze. Es sind nämlich zwei.
Kurz, falls du nur das wissen wolltest
Grenadine ist kein Material, sondern eine Webart. Genauer eine Leno- oder Dreherbindung, bei der zwei Kettfäden um den Schussfaden gezwirnt werden. Dadurch entsteht ein offenes, gitterartiges Gewebe, das aus zwei Metern Entfernung wie eine Uni-Krawatte aussieht und aus einem Meter wie Strick. Das Muster ist also keins, es ist Struktur. Man unterscheidet grob zwischen garza fina, fein und glatter, und garza grossa, gröber und deutlich sichtbarer.
Gewebt wird der Stoff auf alten Schützenwebstühlen. Ascot in Krefeld, wo seit 1908 Krawatten gefertigt werden, schreibt dazu auf der eigenen Seite, es gebe nur noch zwei Webereien in Italien, die das können, teils auf Stühlen aus den Zwanzigern, und eine Stunde Arbeit pro Meter Stoff. Ob es exakt zwei sind, kann ich nicht nachzählen. Dass es sehr wenige sind, ist unstrittig.
Was nur die Grenadine kann
Sie ist zurückgenommen und hat trotzdem Glanz und viel Struktur, beides zugleich. Das hat sonst keine Krawatte. Die Strickkrawatte hat die Struktur, aus Seide hat sie sogar Glanz, aber sie ist zu casual für alles, was über die Kombi hinausgeht. Satin hat nur den Glanz. Prints haben andere Sachen, Farbe und Muster, also Information. Die Grenadine ist die einzige, bei der Struktur der ganze Inhalt ist und die dabei formal bleibt.
Meistens ist sie uni. Es gibt sie auch gestreift und ich finde die meisten davon mittelmäßig: Die Webung unterbricht die Streifen, das gibt Unruhe, da will die Krawatte zu viel auf einmal. Es gibt Streifen, die darauf funktionieren, aber die, die man am meisten sieht, sind es nicht.
Seide glänzt und Glanz ist formal kodiert. Die offene Webung ist Textur und Textur ist casual kodiert. Weil die Grenadine beides hat, sitzt sie auf beiden Skalen in der Mitte und passt zum Business-Anzug wie zum Tweed-Sakko, ohne an einem der beiden Enden falsch auszusehen. Genau diese Eigenschaft hat sie auf jede Liste gebracht. Und genau bei dieser Eigenschaft geht die Begründung auf der Liste schief.
Die Empfehlung ist kein Betrug
Bevor jemand denkt, hier komme gleich die Abrechnung mit der Bubble: nein. Menschen kaufen Sachen, weil Leute, denen sie Autorität zusprechen, ihnen beibringen, dass diese Sache gut sei, und oft stimmt das ja auch. Ich habe das selbst schon einmal beschrieben, in dem Text darüber, warum ich teure Kleidung kaufe. Da ist nichts Unehrliches dran. Die Frage ist, mit welcher Begründung die Grenadine dort steht. Put This On hat sie in zwei Sätzen geliefert und die sind bis heute die beste Kurzfassung, die ich kenne:
"Have a patterned shirt and jacket? The solid color helps things not look too busy. Have a solid colored jacket and shirt? The textured weave helps things not look too boring."
Das ist eine ehrliche Beschreibung und sie stimmt. Nur enthält sie schon das Problem. Beide Aufgaben, die dort beschrieben werden, sind Reparaturen. Das Stück gleicht aus, was sonst schiefliefe. Es bringt nichts mit, es nimmt etwas weg. Und daraus ist irgendwann "geht zu allem" geworden, die Formel, mit der sie heute jedem Anfänger als erste Krawatte verkauft wird.
Es gibt zwei Sorten vielseitig
Und damit sind wir beim eigentlichen Punkt und der ist ein Begriffsproblem.
Es gibt zwei Sorten vielseitig. Die eine passt zu allem, weil sie nichts beiträgt. Die andere passt zu allem, obwohl sie etwas beiträgt. Beide werden im Alltag mit demselben Wort belegt und deshalb reden Leute aneinander vorbei, sobald es konkret wird.
Die erste Sorte kennt jeder. Weiße Sneaker sind das Musterbeispiel. Sie clashen mit nichts, weil sie keine Information tragen, mit der sich irgendetwas beißen könnte. Beim Hemd ist es das weiße Poplin. Das sind leere Teile und leer ist hier kein Schimpfwort. Ein Hintergrund soll ein Hintergrund sein.
Die zweite Sorte ist die interessantere und sie wird fast nie erklärt. Nimm eine Paisley-Krawatte. Nach allen Muster-Misch-Regeln müsste sie schwierig sein: großes, organisches, lautes Muster. In der Praxis passt sie zu fast allem. Der Grund ist nicht, dass Paisley harmlos wäre, sondern dass Paisley auf keinem anderen Kleidungsstück stattfindet. Es gibt keine Paisley-Hosen, es gibt praktisch keine Paisley-Sakkos und Paisley-Hemden trägt niemand zu einer klassischen Kombination. Die Krawatte hat den Platz für sich allein. Wo es keinen Gegenspieler gibt, braucht es auch keine Regel, wie man mit ihm umgeht.
Für die Regimental-Krawatte gilt dasselbe, obwohl sie auf den ersten Blick der schwierigste Fall sein müsste, weil Streifen überall leben, auf dem Hemd, auf dem Anzug, auf der Hose. Regimental-Streifen sind aber viel breiter als Pinstripes und viel breiter als Bengal Stripes, sie besetzen eine Größenordnung, die kein Hemd besetzt. Der Platz ist also nicht nur eine Frage der Musterart, sondern von Art mal Größe. Die Gegenprobe liefert der Markt: Sehr fein gestreifte Krawatten gibt es fast nicht und die wenigen, die es gibt, sehen ulkig aus. Man denkt sofort, da hat sich einer ein Hemd umgebunden.
Dahinter steht eine ältere und simplere Idee: Figur und Grund. Die großen Flächen, Sakko und Hose, sind der Grund. Die kleinen Teile, Krawatte und Einstecktuch, sind die Figur. Eine Figur braucht Abstand zum Grund, sonst ist sie keine. Genau deshalb darf eine Krawatte weiter weg liegen als zwei große Flächen voneinander dürfen. Und genau deshalb ist es ein Unterschied, ob ein Stück diesen Abstand nutzt oder ihn verschenkt.
Die uni Grenadine verschenkt ihn. Sie hat Textur, also verschwindet sie nicht, wenn alles um sie herum glatt ist. Aber sie hat keine eigene Information, also wird sie nie zur Figur. Sie besetzt keinen Platz, sie füllt einen. Daniel Hakimi hat das Prinzip dahinter bei The Second Button in einem Satz formuliert, den ich für einen der besten der letzten Jahre halte:
"The more "versatile" or "neutral" a shoe is, the less it contributes to an outfit."
Er redet über Schuhe, aber das Gesetz ist dasselbe. Und die Präzisierung, auf die es mir ankommt: Nicht die Vielseitigkeit kostet den Beitrag. Die Leere kostet ihn. Eine Regimental ist vielseitig und bringt trotzdem eine Menge mit.
Ich kann das an mir selbst durchspielen. Meine erste Wahl ist, dass die Krawatte das lauteste Stück im Outfit ist. Ich trage fast nie einfarbige Krawatten, weil ich da immer mehr haben möchte. Und jetzt stell dir mein typisches Outfit vor: ein Herringbone-Sakko, das praktisch uni ist, weil eine Webstruktur eben noch kein Muster ist. Dazu ein gestreiftes oder einfarbiges Hemd. Und dann kommt da eine einfarbige Grenadine drunter. Das ödet mich an. So richtig. Da wehrt sich etwas in mir.
Dieses Outfit ist die Mitte. Nicht ruhig, nicht laut, ein bisschen Struktur, ein bisschen Muster. So sieht eine normale Kombi die meiste Zeit aus und genau dort ist die Grenadine leer. Sie repariert nichts, weil nichts kaputt ist, und sie bringt nichts mit, weil sie nichts mitbringen kann. "Geht zu allem" heißt in der Mitte: geht, mehr nicht.
Die zwei Situationen, in denen sie glänzt
Jetzt der Teil, den die Listen weglassen. Es gibt zwei Outfits, in denen die Grenadine nicht leer ist, sondern die beste Wahl, die du hast. Und die beiden könnten gegensätzlicher nicht sein.
Das erste ist das bewusst minimalistische Outfit, als echte Entscheidung. Kammgarn-Anzug oder Baumwoll-Twill, uni, mit diesem matten, leicht rauen Griff. Hemd uni. Alles andere nimmst du zurück, damit oben ein einziges Stück Struktur übrig bleibt, und die Grenadine wirkt dadurch spannend. Das liegt nicht daran, dass sie zu allem passt. Du hast ihr das ganze Outfit als Grund gegeben. Hältst du dich dabei an die tonale Schwerkraft, ist das ein richtig edles Outfit, casual und cool zugleich. Probier an dieser Stelle die Alternativen durch. Satin macht es flach und corporate. Ein Print macht ein anderes Outfit daraus, ein lautes, das auch gut ist, aber nicht dieses. Die Strickkrawatte macht denselben Effekt, nur in Richtung komplett casual. Strick und Grenadine sind hier Geschwister und die Grenadine steht in der Hackordnung eine Stufe weiter oben. Willst du casual, nimm Strick. Willst du das Ding ernst und trotzdem lebendig, bleibt nur sie. Eine Grenadine bleibt eben eine Grenadine.
Die andere ist das Gegenteil: ein sehr lautes Outfit und dazu eine sehr dunkle Grenadine als Ruheanker. Diesen Sommer war das bei mir eine schwarze garza fina, untipped, ein Vintage-Fund von Polo Ralph Lauren, made in Germany. Dazu eine weiße Fatigue aus Baumwolle und Leinen, ein mittelblaues Leinenhemd und ein blau-weißes Seersucker-Sakko. Es funktioniert, das Schwarz. Schwarze Krawatten funktionieren. Und ich finde es fast schon schade, dass ich sie so lange ignoriert habe.
Das sind die beiden Situationen. Überall sonst gibt es eine bessere Wahl. Und dass ein einziges Stück in zwei gegensätzlichen Outfits die beste Wahl ist, ist ihr eigentliches Merkmal. Das steht in keiner Liste. Dort steht "geht zu allem" und gemeint ist damit die Mitte, also genau der Ort, an dem sie am wenigsten kann.
Der Riss kommt von innen
Wenn man nach Kritik an der Grenadine sucht, findet man keine. Ich habe meine Materialsammlung danach durchsucht, gut zwölftausend Artikel aus der englischsprachigen Bubble, und da steht kein einziger Text, der die Empfehlung angreift. Das war eine flache Suche und kein Beweis. Aber es ist ein auffälliges Nichts.
Der einzige Riss kommt von der Person, die die Empfehlung mitbegründet hat. Simon Crompton hat 2017 Leserfragen beantwortet, unter anderem die, welches Stück je Kategorie ihm am meisten Freude macht. Seine Antwort bei den Krawatten steht seitdem so auf Permanent Style:
"Ties: Navy big-knot grenadine (boring but true) because it feels like the most conservative thing in the world, yet you rarely see someone wearing one."
"Boring but true" ist die Mitte, von der ich oben geredet habe, aufgeschrieben von jemandem, der es besser weiß als ich. Und "you rarely see someone wearing one" ist meine Beobachtung, notiert 2017 in London, wo es die Läden gibt. Das Problem ist also nicht, dass man keine kaufen könnte.
Zwei Monate früher hatte derselbe Autor beschrieben, was er auf Reisen einpackt: eine Navy- und eine schwarze Grenadine und dann, wörtlich, "to avoid this being too boring, I would chuck in one or two more interesting options". Er packt gegen seine eigene Empfehlung eine interessantere Krawatte dazu. Ich finde das nicht widersprüchlich, ich finde es ehrlich. Es ist nur eben nicht das, was in den Essentials-Listen steht.
Warum du trotzdem keine siehst
Ich glaube, es sind zwei Gründe und der größere ist die Empfehlung selbst. Wer die Grenadine als erste Krawatte kauft, weil sie zu allem passt, trägt sie in der Mitte, weil er nichts anderes hat. Dort ist sie langweilig und Langweiliges bleibt in der Schublade. Die zwei Outfits, in denen sie glänzt, hat ihm niemand genannt und das minimalistische davon macht man als Anfänger nicht aus Versehen.
Der zweite Grund ist der Handel, zumindest in Deutschland. Es ergibt schlicht keinen Sinn, in einer normalen Großstadt einen Laden für dieses Zeug aufzumachen. Ein Herrenausstatter mit einer Wand voll Grenadines in acht Farben lebt davon nicht, also führt sie niemand und du stehst vor dem Regal mit bedruckter Seide. Online bekommst du natürlich eine, eine ganze Seite voller Shops, auch deutsche. Nur anfassen kannst du sie vorher nicht und niemand erklärt dir, warum das Ding kostet, was es kostet, und was garza grossa überhaupt bedeutet.
Was dagegen spricht
Ich habe hier eine Meinung vertreten, also kommt jetzt die Gegenseite, und zwar von echten Leuten und nicht als Strohmann.
Es gibt sie, die Leute, die Grenadines tragen und lieben. In r/ties schreibt jemand unter einem Foto seiner braunen Garza Grossa:
"I'm a huge fan of the texture in a grenadine tie. I know they can be finnicky and they're kinda fragile, but if you treat them gently, they're usually worth the effort."
Ein anderer, unter seiner ersten:
"this is my first grenadine tie and I've found they are quite stubborn to tie, they are harder to adjust than smooth silk."
Beides stimmt. Die offene Webung bleibt an Fingernägeln hängen und binden lässt sie sich störrischer als glatte Seide. Das gehört in eine ehrliche Empfehlung und steht in den seltensten.
Der interessanteste Fund ist ein dritter Beitrag, weil dort jemand ohne jede Theorie die Platzregel von oben beschreibt. Derselbe Nutzer trägt eine gestreifte Grenadine zu einem Hemd mit feinem Gittermuster und schreibt:
"I tried the grid shirt today, but probably will stick to plain or stripes in the future: I think the scale of the grenadine weave in the tie is a bit too close to the shirt."
Die Größenordnung der Webung ist zu nah an der des Hemdes. Das ist die Platzregel, aus dem Tragen heraus formuliert, von einem Fremden an einem beliebigen Dienstag. Und nebenbei zeigt es, dass die Grenadine eben doch nicht überall geht. Auch Struktur hat eine Größe.
Und dann ist da der Fall, der mich am meisten überzeugt hat, dass die Empfehlung ankommt und nur nicht landet. Ein Achtzehnjähriger fragt in dieselbe Runde:
"I came across this grenadine tie, and it completely captivated me! The only problem is that I have absolutely no idea how to do it justice."
Das ist der Übertragungsweg im Rohzustand. Die Empfehlung ist da, die Faszination ist da, die Anwendung fehlt. Und die Antwort, die ihm niemand gegeben hat, ist kurz: Nimm alles andere zurück, dann ist sie das Stück. Oder mach es richtig laut und nimm eine sehr dunkle. Dazwischen nimm eine andere Krawatte.
Wann du sie kaufst
Kauf eine, wenn du eines der beiden Outfits wirklich trägst. Für das minimalistische ist Navy der Klassiker, Dunkelbraun, Dunkelgrün oder Bordeaux sind mindestens so gut, fina oder grossa nach Geschmack. Für den Ruheanker im lauten Outfit nimmst du sie sehr dunkel, Schwarz oder ein sehr dunkles Navy. Dazu kommen zwei Anlässe, an denen man nicht experimentiert: sehr formell in Silber und ein Trauerfall in Schwarz.
Wenn deine Outfits meistens in der Mitte liegen, ein Sakko mit etwas Struktur, ein Hemd mit Streifen, dann ist sie nicht die erste Krawatte, die du kaufst. Dann zahlst du für Zurückhaltung, die du an dieser Stelle gar nicht brauchst, und verschenkst den einen Platz im Outfit, an dem du ohne jedes Risiko laut sein darfst. Nimm eine Regimental oder eine Paisley. Die gehen genauso überall hin, aber sie kommen nicht mit leeren Händen.
Und was ich selbst mache
Ich lasse welche weben. Das ist an dieser Stelle kein Widerspruch, sondern die Konsequenz aus allem oben.
Ich kenne das Thema, ich finde die Webart großartig, ich besitze welche und ich bin damit lange nicht warm geworden, weil ich meistens in der Mitte rumlaufe und da die laute Krawatte will. Ich mache trotzdem welche, weil es die zwei Outfits gibt und weil die Grenadine dort mehr ist als die vernünftige Wahl. Dort ist sie die beste. Das sagt dir nur niemand, weil die Empfehlung seit zehn Jahren mit dem falschen Satz unterwegs ist.
Was ich dir nicht erzählen werde, ist, dass sie zu allem passt und du deshalb keine andere mehr brauchst. Sie passt zu allem, das stimmt. Die Frage, die ich dir stattdessen mitgeben will, ist die danach, was sie dabei eigentlich beiträgt. Stell sie dir bei jedem Stück, das dir als vielseitig verkauft wird. Bei überraschend vielen lautet die ehrliche Antwort: nichts. Bei der Grenadine lautet sie: kommt drauf an, was du drumherum machst. Das ist eine bessere Antwort, als sie klingt. Und wenn du eines der beiden Outfits das nächste Mal anziehst, probier sie. Dann siehst du, was ich meine.
Häufige Fragen
Was ist eine Grenadine Krawatte? Eine Krawatte aus Seide, die in Grenadine-Bindung gewebt ist, also einer offenen Leno- oder Dreherbindung. Dabei werden zwei Kettfäden um den Schussfaden gezwirnt, so entsteht ein gitterartiges Gewebe mit sichtbarer Struktur. Grenadine ist damit eine Webart und kein Material und "Grenadine-Stoff" ist streng genommen falsch.
Sind Krawatten aus Grenadine die besten? Sie sind die vielseitigsten und das ist nicht dasselbe. In zwei Outfits sind sie die beste Wahl: im bewusst ruhigen Outfit, in dem sie das einzige Stück Struktur ist, und im lauten Outfit, in dem du eine sehr dunkle als Ruheanker nimmst. In allem dazwischen gibt es interessantere Krawatten, die genauso breit einsetzbar sind.
Wie formell ist eine Krawatte in Grenadine? Sie liegt in der Mitte und deckt einen sehr breiten Bereich ab. Für Business ist sie passend, für ein Sakko-Outfit ebenfalls, für sehr formelle Anlässe nimmt man sie in Silber. Die feine Variante (garza fina) wirkt formeller, die grobe (garza grossa) eher casual. Zur Jeans ist die Strickkrawatte meistens die natürlichere Wahl.
Was ist der Unterschied zwischen garza fina und garza grossa? Die Feinheit der Webung. Garza fina ist dichter und glatter, sieht auf Distanz fast uni aus und wirkt formeller. Garza grossa ist offener, die Struktur ist deutlich sichtbar, der Knoten fällt etwas voluminöser aus und das Ganze wirkt eher casual. Beides ist Geschmackssache, nicht Qualität.
Warum sind Grenadine-Krawatten so teuer? Weil die Webart auf alten Schützenwebstühlen läuft und langsam ist. Ascot in Krefeld gibt für den eigenen Stoff eine Stunde pro Meter an und nennt zwei verbliebene Webereien in Italien, die das können. Wenig Anbieter, langsame Maschinen, entsprechender Preis.
Muss die Grenadine unbedingt Navy sein? Nein, das ist Konvention und kein Gesetz. Navy ist die Standardempfehlung, weil sie zu Grau und Blau am unauffälligsten ist. Braun, Grün und Bordeaux sind mindestens so brauchbar, wenn in deinem Schrank mehr Braun und Grün hängt als Grau und Blau. Schwarz ist die Wahl für das laute Outfit und für den Trauerfall.